Offenes Visier, September 1989. Wir waren wieder unterwegs, und wieder einmal in Deutschland. Nach einem Truppentransport mit Übernachtung bei einem Bauern stellte sich heraus, dass der Stabsfeldwebel Vos seine Waffe verloren hatte. Es handelte sich um ein Schnellfeuergewehr im Kaliber 7,62 x 51mm eines blegischen Herstellers, die bekannte FN FAL.
Wir erhielten den Befehl, sofort zurückzufahren und nach ihm zu suchen. Und tatsächlich, etwa 60 km zurück beim Bauern lag die FAL Klatschnass in einem Graben, es hatte sich schon etwas Rost gebildet. Schließlich saßen wir eine Woche lang in einem Sammelgebiet fest, bis eine deutsche Luftlandedivision mehr oder weniger direkt über unserer 101 (NL) Tankbataljon landete. Das Ergebnis dieses Übungskampfes lässt sich erahnen. Wir waren bei einem sehr liebevollen, älteren Herrn untergezogen. Das war vermutlich zwischen Sottrum und Westertinke, muß aber nicht zwingend da sein. Herr Stolze war sein Name, und er war selber Soldat. Er versucht den Vormarsch der Russen voraus zu sein. In den letzten Tagen des Krieges war er jeden Tag etwa 40 km gelaufen, um das zu schaffen. Er ergab sich schließlich den Amerikanern. Als wir wieder in den Niederlanden waren, schicken wir ihm als Dankeschön für unsere tolle Zeit bei ihm Blumenzwiebeln nach Hause. In dem Anschreiben stand mit drin, das er die auf keinen Fall Essen darf, wir haben in den Niederlanden da sehr schlechte Erfahrungen mit gemacht.
Während dieser Übung kamen General Tsjassens und der deutsche Verteidigungsminister Dr. Gerhard Stoltenberg vorbei. Sie wurden von Oberst Nix empfangen. Davon hat Ben Ket übrigens schöne Aufnahmen gemacht, sie sind auf YouTube zu sehen. Später in dieser Woche wurden wir fast von einem Luchs überfahren, der aus dem Feld rechts von uns kam. Das war wirklich knapp, wir hatten verdammt viel Glück. Der Luchs hat uns nie gesehen, genau das war bei den Aufklärern allerdings die Absicht. Die deutsche CH-53 beförderte ausländische Beobachter. Ich stand hinten und hielt bereits eine wunderschöne polnische Mütze in den Händen … „Zurücklegen“, hörte ich hinter mir. Das bereue ich immer noch ein bisschen.
Gruß Ronald
Lars de Vries
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