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1970 REFORGER II – Certain Thrust – Galerie Stenzel

Dieses war für mich eines der schönsten REFORGER Übungen, das hat man aber erst im nachhinein erkannt. Leider konnte ich aus Kostengründen und einer fehlenden Arbeitsbefreiung nicht mehr Bilder machen. Glücklicherweise war alles ziemlich zentral und man mußte nicht viele Kilometer fahren.

Der große Aufmarsch der Panzerverbände, der Infanterieeinheiten und anderer Truppen, der sich gestern bei starken Hubschrauber-Attacken und unter Einsatz von mehreren Düsenjägern der US-Air Force im Raum Dippach, Roßstadt und Stettfeld vollzog, war für die rund 30 000 beim Nato – Manöver “Reforger II” eingesetzten Soldaten die letzte große Generalprobe für den eigentlichen Brückenschlag am Main, der für Montag um 9.30 Uhr in Fortsetzung der Kampfhandlungen in den Coburger Raum und nach Grafenwöhr vorgesehen ist.

Der Brückenschlag wird von der Luftwaffe vorbereitet, die im Tiefflug das nördliche Mainvorland mit Bomben belegen und mit Bordwaffen bestreichen und bei ihrem mehrmaligen Anflug den Himmel mit donnernden Getöse erfüllen wird. Die nächste Angriffswelle gegen den Feind am nördlichen Mainufer wird durch Hubschrauber ausgelöst, die ebenfalls mit Bordwaffen und Raketen ausgerüstet sind und die Bildung des nördlichen Brückenkopfes vorbereiten. Noch imposanter wirkt der Anflug der fünf Hubschrauberverbände, die mit ihren Gasturbinen die Einnebelung des nördlichen Maintales übernehmen. Die mehr als 30 Maschinen befinden sich noch in Sichtweite, wenn mit weiteren Hubschraubern bereits die ersten Stoßtrupps nördlich des Mains abgesetzt werden, die sich an das Mainufer vorarbeiten und die ersten Gefangenen aufbringen. Inzwischen werden sich von Roßstadt und Dippach her die ersten Schwimmpanzer in Marsch setzten,  die an sechs Stellen den Main überqueren und in das nördliche Hinterland vorstoßen, während in Höhe der beiden Brückenköpfe die für die Flugzeugabwehr ausgestatteten Schwimmpanzer Position beziehen. Die zahlreichen Panzer befinden sich teilweise noch im Fluß, wenn schon die großen Amphibienfahrzeuge in den Main einfahren und mit dem Bau der beiden Potonbrücken beginnen.

 Damit war den US-Truppen binnen 30 Minuten der Brückenschlag über den Main geglückt. Pausenlos rollten über 5 Anmarschwegen die schweren Kampfpanzer an. Die stählernen Kolosse bewegten sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit im Gelände. Ihnen folgten die Schützenpanzer und Raketenfahrzeuge, um in Richtung Staffelbach den Vorstoß in den Bamberger und Coburger Raum zu beginnen. Mit Lastenhubschraubern wurden zur gleichen Zeit Jeeps und Ausrüstung für die “kämpfende” Truppe  in den neuen Manöverraum geflogen, worauf dann während der laufenden Übersetzungsmaßnahme auch das Helicopter – Geschwader seinen neuen Standort in den nördlichen Manöverraum des Maintals verlagerte. Sämtliche Manövertruppen stießen aus Roßstadt und Dippach kommend auf die beiden Brückenköpfe vor, um von der Bundesstraße aus dann in die fünf Zufahrten zu den Pontonbrücken einzuschwenken. Flurschäden ließen sich im Raume Roßstadt, Dippach, Stettfeld und Staffelbach nicht vermeiden, weil die Manövertruppen in diesem Raum quer durch das Geländes vorstoßen musste, um den Mainübergang zu schaffen.

Für die Bevölkerung des Manöverzentrums ist dies das größte militärische Schauspiel seit dem letzten Krieg, das auch für die Straßen nicht ohne Folgen bleiben wird. Was am Donnerstag und Freitag noch Vorbereitung war, wird am Montag nun abschließend und vor kritischen Beobachtern demonstriert, so daß dieser kommende Brückenschlag noch mit viel stärkerer Intensität vorgetragen wird. Weil nach diesem neuerlichen Brückenschlag die Panzer und Fahrzeuge nicht mehr in Ihre Ausgangsstellen zurückkehren, sondern den Landkreis verlassen werden, dürften die Manöverfahrzeuge der US-Truppen an diesem Montag die Straßen im oberen Teil des Landkreises noch mehr belasten, so daß sich die Kraftfahrer nochmals auf längere Straßensperren einrichten müssen, die vor allem auf der Bundesstraße 26 und auf der Staatsstraße Stettfeld – Staffelbach wirksam werden.

Das US-Manöver “Reforger II” erreicht nun nach einer Mitteilung der LP-Inspektion im Landkreis seinen Höhepunkt. Es sind deshalb erhebliche Verkehrsbeschränkungen zu erwarten. Starke US-Verbände werden vor allem am 15., 16. und 19. Oktober zwischen 6.30 und 8 Uhr und zwischen 24 und 2 Uhr auf den Kreisstraßen zwischen Weisbrunn, Lembach und Dippach, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr auf der B 26 zwischen Roßstadt und Dippach und zur gleichen Zeit auch zwischen Stettfeld und Staffelbach verkehren. Außerdem werden am 19. Oktober zwischen 10.30 bis 12 Uhr schwere gepanzerte US-Verbände über die Flutbrücke nach Haßfurt und weiter in Richtung Königsberg rollen. Wegen des großflächigen Manöverraumes ist es nicht möglich, Verkehrsumleitungen durchzuführen. Die Kraftfahrer und besonders die Zuckerrübenbauern werden gebeten, zu den angegebenen Zeiten das Manövergebiet zu meiden.

Copyright Text Hassfurter Tageblatt

Viel Spaß mit meinen Eindrücken

Gruß Hans


Über den Autor

Hans Stenzel

4 Kommentare

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  1. 4
    Michael Uffmann

    Moin,
    klasse Bilder und ein richtig toller Bericht! Alles dabei was das Manöverherz höher Schlägen lässt. Die Amerikaner haben wir hier im Norden ja nicht ganz so oft zu sehen bekommen…..vielen Dank für die Bilder und den Bericht!

    Gruß
    Michi

  2. 3
    Joerg Waldhelm

    Sagenhafte Fotos mit dem alten Material, was damals modern war…
    Gewässerübergang, Flugbewegungen, Märsche, alles dabei, was ein Manöver ausmacht.

    Grüße

    Jörg

  3. 2
    Günther

    Bilder die das Video bei YouTube vervollständigen, aus ganz anderen Blickwinkeln , zeigen diese Sahnestücke in gewohnter Stenzelqualität, wo der Bär getobt hat..
    Im Übrigen findet man im Moment, bei Nordbayern.de zwei Bilderserien aus alten Reforgerzeiten einfach nach “Reforger suchen und eintauchen , in längst vergangene Zeiten..
    Mir bleibt nur noch zu schreiben : Dankeschön Hans, für diese einzigartigen Sahnestücke!

    Gruß
    Günther

  4. 1
    Lars de Vries

    Hallo Hans,

    dieses Inferno hätte ich zu gerne selber erlebt….mein lieber Mann war da was los. An der Stelle bin ich schon mehrfach vorbei, wenn wir nach Parsberg sind…..Thomas hatte mir das alles nach deinen Bildern erklärt wo was war. Unfassbares Zeitdokument, das bald ein halbes Jahrhundert alt sind. Die Qualität dieser alten Bilder ist auch absolut überragend, auch wenn sie damals viel Geld gekostet haben. Danke für das Bereitstellen dieser historisch gesehen kaum hoch genug zu bewerteten Galerie.

    Gruß Lars

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